Adieu, lieber Sand-zwischen-den-Zehen-Blog. Es war schön mit dir. Nun, liebe Leut, gehts hier wieder weiter: www.berichtauszürich.wordpress.com.
Tags:Binz, Hotel Nymphe, Meer, Nymphe, Ostsee, Rügen, Sand, Sonne, Strand, zürich
Da bin ich wieder. In Zürich. Mir war gar nicht bewusst, dass es hier so laut ist – Autogebrause, Flugzeuglärm, Waschmaschinensignaltöne, Strassenbahnrattern, Polizeisirenen, Nachtschwärmergebrabbel, Treppenhausgetrampel, Kindergequietsche, Obdachlosengekeiffe…. Definitiv lauter als Meeresrauschen und Mövenquietschen…. Aber das urbane Rauschen hat ja auch seinen Reiz, nicht wahr…
Einfach, damit es klar ist: Wer auf Rügen in die Ferien geht und nicht in diesem Hotel wohnt, ist selber schuld. Einfach total selber schuld.
Wer sowas verpassen will: Selber schuld. Wer es sich nicht gutgehen lassen will: Selber schuld. Wer keine modernste Architektur kombiniert mit der traditionellen Bäder-Architektur und stilvoller Innen-Einrichtung geniessen will: Selber schuld. Wer die gute Küche nicht probieren will: Selber schuld. Wer nicht nett betreut werden will: Selber schuld. Wer nicht viel Leistung für wenig Geld will: Selber schuld. Wer nicht in super Strandlage wohnen will: Selber schuld. Wer nicht von der modernen Apple-Ausstattung im Hotelzimmer profitieren will: Selber schuld. Sowas von selber schuld aber auch.
Kurzum: Rügen ist Hotel Nymphe. Hotel Nymphe ist Rügen. So simpel ist das.
17. Mai, Hamburg Flughafen, 15 Grad, leichte Bewölkung und Sonnenschein, ein laues Lüftchen – die Frisur hält…
21. Mai, Strandkorb Binz auf Rügen, 18 Grad, die Sonne brennt, leichter Wind – die Frisur hält…
25. Mai, Kap Arkona auf Rügen, 11 Grad, Sonnenschein und Wolken, orkanartige Windböen – vergiss die Frisur!!
PS. DAS ist und wird übrigens das einzige Foto von mir in diesem Blog sein. Es dient lediglich zu Dokumentationszwecken. Ausschliesslich!
Was macht Frau, wenn sie Höhenangst hat? Nun, es gibt mehrere Möglichkeiten:
a) Nicht zugeben. So tun als ob es die Angst nicht gibt. Ganz einfach.
(Ach – das wäre kein Problem für mich, just heute habe ich aber eeeecht keine Lust).
b) Die angstauslösende Situation ignorieren und verleugnen. Auch ganz einfach.
(Ach – da war ein Leuchtturm? Da konnte man hoch? Mensch, wenn ich das gewusst hätte…)
c) Rein in die Situation. Der Angst begegnen. Alle Register ziehen. Nicht einfach.
(Oh meine Güte, ich steeeeeerbe, ich steeeeeeerbe…)
Frau W. wählte heute Variante c) mit einer vier-Stufen-Bewältigungs-Taktik…:
- Turm aus sicherer Distanz beäugen
- Turm begrüssen, ihm mitteilen, wie schön er ist (Freund werden, mit dem Turm)
- Verzögerungs-Manöver durchführen (Souvenir-Shop besuchen)
- Um den Turm schleichen und mal in die Türe reingucken
Dann kommt der wichtige Teil, der (ganz wichtig) ohne Unterbruch durchgeführt werden muss.
- Zielstrebig rein in den Turm
- Ticket lösen
- Erster Teil der Treppe hochlaufen (Gitter, man sieht durch, oh mein Gott)
- Auf der dritten Zwischenetage kurz stehenbleiben und interessiert das Gemäuer betrachten, Schwindel ignorieren
- Zweiter Teil der Treppe hochlaufen ( Winzige Wendeltreppe, oooohhhhhhhhhh)
- Wichtig: Nicht stehenbleiben, mit beiden Händen festhalten. Mit sich reden (du schaffst das, go for it….)
- Oben ankommen, Schwindel in den Griff bekommen. Pffft Pfffft (Atmen wie beim Qi-Gong).
- Beweisfoto schiessen
- Dreimal kurz durchatmen
Und dann gibt’s nur noch eins:
- Runter
- Und raus
Danach:
- Zittrige Knie entzittern
- Sieg über die Höhenangst feiern
- Sieg über die Höhenangst geniessen
Ja, einmal mehr habe ich mich nicht von meiner Höhenangst besiegen lassen. Zumindest bin ich da hoch, nicht wahr. Auch wenn’s nur der kleine Turm war. Und auch wenn der Abgang recht rasch über die Bühne ging…. aber nicht die Dauer zählt, sondern die Durchführung an sich… nicht wahr…
Ja, es hat geklappt. Die Vermietstation hatte geöffnet. Die Vermietstations-Angestellte war da und war sehr, sehr freundlich. Ich wollte ein Auto, ich bekam ein Auto. Ein blitzblankes, fast neues Auto, wohlgemerkt. Bei der Reservation eines „Kleinwagens“ habe ich eigentlich mit einem schrumpeligen, alten und quietschfarbigen Opel Corsa oder ähnlichen gerechnet – aber nicht mit diesem kleinen Superflitzer. Nun, ich finde das passt. So muss es sein…
Voilà, darf ich vorstellen: Mein heutiger Begleiter…
Beim surfen im Tagi entdeckt:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Das-Ozeaneum-in-Stralsund-ist-Europas-Museum-des-Jahres/story/26281715
Kaum war ich da, bekommt das Museum eine Auszeichung.. unglaublich… Daraus könnte ich eine rentable Geschichte entwickeln… Ich besuche einen Ort und “zack“ bekommt er einen Preis. Ich denke darüber nach…
Aufgrund der Aussicht, erst um Dienstag ein Auto zur Verfügung zu haben aber nur bis Donnerstag hier zu sein entschloss ich mich, den mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch am erträglichsten zu bewältigende Ausflug mit eben diesen zu unternehmen. Gesagt getan. Eine Stunde Bus-Fahrt für 15 km. Immerhin gab es einzelne Verbindungen mit diesem Bus, bei welchen ich bis zum Ziel sitzen bleiben konnte. Diese suchte ich mir dann auch raus. Dies bedeutete schlussendlich, dass ich immer wenn der Busfahrer „Endstation“ brüllte einfach sitzen blieb und die Fahrt 5 Minuten später fortgeführt wurde. Lustig ist die Tatsache, dass die einzelnen Stationen (und das waren viele, sehr viele sogar) von Kinderstimmen angekündigt werden. Das aber nur nebenbei. Bei so einer Busfahrt lernt man auch die nicht so schönen Seiten der Insel kennen, man fährt durch Gebiete, durch die ein Tourist normalerweise nicht durchfährt. Bausünden früherer Zeiten wie Plattenbauten, heruntergekommene Gegenden und Menschen mit leeren Augen. Ich verhielt mich möglichst unbeteiligt und versuchte, mit meiner pinken Windjacke möglichst nicht aufzufallen…
Die Busfahrt war aber schnell vergessen, als ich im Nationalpark Jasmund angekommen war. Die Kraft und Schönheit der Natur – einfach überwältigend. Der Park ist mit rund 3000 ha der kleinste Nationalpark Deutschlands und mit 20 Jahren auch einer der jüngsten. Mehr über den Park und die Beschaffenheit, die Tier- und Pflanzenwelt erfuhr ich in einer Ausstellung im Nationalparkzentrum. Anschaulich und spannend wird man durch die faszinierende Welt geführt. Es gibt viel auszuprobieren, anzufassen – eine richtige Erlebnisausstellung und für Kinder wohl ein Paradies. Für grosse und kleine Kinder – ich hatte ziemlich viel Spass. Gleich beim Nationalparkzentrum erheben sich dann auch die Steilküsten, die bekannten Kreidefelsen. Atemberaubend - ich lasse die Bilder sprechen…
Inzwischen habe ich festgestellt, dass es sich ohne Auto auf der Insel zwar ganz gut leben lässt – für einige Ausflüge wäre ein Auto aber einfach besser. Viermal umsteigen mit dem Bus für 20 km Entfernung – das übersteigt meine „ich-finde-öffentliche-Verkehrsmittel-eigentlich-ganz-ok“-Einstellung. Die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund, das Kap Arkona, die Zufahrt zur Insel Hiddensee – alles viel besser mit dem Auto zu bewältigen. Was macht also eine abgebrühte Städterin in einem solchen Moment der Erkenntnis? Genau, Auto mieten.
Nichts leichter als das, dachte ich mir. Ich schwang mich auf mein Fahrrad und fuhr zur Autovermietungs-Station. Öffnungszeit bis 18 Uhr. Türe zu. Blick auf die Uhr: 17.15 Uhr. Nee, nä? Hm. Menschenleer. Auf einem Zettel an der Türe stand: ‘Wir sind ausserhalb der Öffnungszeiten 24h für sie da’. Gut, also – anrufen. Nach drei Versuchen, innerlichen Fusstritten an die Türe der Vermietungsstation und ein paar unschönen Gedanken dem Verantwortlichen dieser Station gegenüber gab ich auf. Da nahm niemand ab. Kein Band. Gar nix. Leicht frustriert wandte ich mich wieder meinem treuen Fahrrad zu und radelte zurück ins Hotel.
Dort konsultierte ich meinen neuen, treuen Freund – den Super-Apple in meinem Hotelzimmer, der mir alle Informationen zur Autovermietung lieferte. Ich entschloss mich, bei der zentralen Auskunftsnummer dieses Autovermieters anzurufen. Denn ich wollte jetzt einfach ein Auto mieten. „Wollen“ und nicht „es wäre nett, wenn…“, damit wir uns richtig verstehen. Die nette Dame am anderen Ende teilte mir mit, dass ich die Anmiete auch über die regionale Vermietungsstation durchführen könne, diese sei bis 18 Uhr geöffnet. Ah ja? Ich klärte die Dame nett aber leicht säuerlich auf, worauf diese erst einmal leer schluckte aber immer noch nett blieb. Ich hörte, wie ihre Finger im Hintergrund flink über die Tastatur huschten. Ach so, sagte sie, da sind alle Autos vermietet. Ach so, sagte ich, darum ist niemand mehr dort und darum nimmt auch niemand mehr das Telefon ab. Gutes System, fügte ich an. Sie hüstelte und tippte weiter. Ich kann Ihnen ab Dienstag einen Kleinwagen anbieten. Ach, erst? Ja, tut mir leid. Ein Wagen wäre schon am Sonntag und Montag frei, aber da ist die Vermietungsstation geschlossen und nicht besetzt. Aaachh….?
Kurzum – ich habe den besagten Kleinwagen für Dienstag gemietet. Um 9 Uhr (Öffnung der Vermietungsstation) werde ich dort stehen und mein Auto einfordern. Ich nehme Wetteinsätze zu folgenden Punkten entgegen:
a) Wird die Station um 9 Uhr schon besetzt sein?
b) Wird der lokale Mitarbeiter mich nett empfangen, nachdem er von der Zentrale eins aufs Dach bekommen hat, weil er nicht erreichbar war und ganz genau weiss, dass ICH die Petze war?
c) Wird das Auto einsatzbereit (geputzt, aufgetankt etc.) sein?
Ich bin gespannt und übe mich schon jetzt in Gelassenheit. Am Besten, ich suche mir schon mal die viermal-umsteige-Busfahrpläne raus…
Heute regnete es den halben Tag. Und das ist egal. Ich könnte schon sagen „endlich“. Naja, es war so warm und schön die letzten Tage, dass ich schon dachte, ich bin im Süden. Dafür fahre ich ja schlussendlich nicht an die Ostsee. So ein Bisschen Regen und Wind muss schon auch sein. Sonst rechnet sich meine neue Wind-und-Wetter-Kleidung ja gar nicht. Und schlussendlich sind wir Schweizer ja fast schon wetterfest geboren, zumindest aufgewachsen. Also, Kapuze hoch und raus.
Und da wäre noch ein kleiner Umstand zu erwähnen, der das schlechte Wetter etwas relativiert… Es gibt hier eine Insel auf der Insel. Ein Schlecht-Wetter-Rettungsprogramm. Meine Bücherinsel. Home sweet Home…
Ich bin jetzt stolze Mehrtages-Mieterin eines Strandkorbes. Nachdem ich die Dinger ein paar Tage skeptisch beäugt, umkreist und studiert hatte, war ich zur näheren Kontaktaufnahme bereit. Zumal es gestern so warm und sonnig war, dass es sich lohnte. Die (ganz verrückten) Leute nahmen sogar ein Bad in der Ostsee, derweil die meisten Leute (inkl. ich ) sich aber auf das Hosenbeine hochkrempeln und barfuss durch den Sand laufen beschränkten.
Der ältere, braungebrannte Mensch im Fischbrötchen-Speiseeis-und-Strandkorbvermietungs-Häuschen am Strand grinste mich erwartungsvoll an. „Na, junge Dame (ha!), wie kann ich Ihnen helfen?“. „Ich möchte gerne einen Strandkorb mieten“. „Jou“. „Äh…?“. „Was möchten’se denn für einen?“. „Oh, äh, da gibt’s verschiedene?“. „Jou, die braunen und die weissen, vordere Reihe, mittlere Reihe, hintere Reihe, Liegekorb, Sitzkorb….“. Ich kam mir kurz vor wie bei Starbucks und outete mich als Ostseeneuling und Strandkorbanfängerin. Sein Grinsen wurde noch breiter und er erklärte mir die Unterschiede. Ich entschied mich für das Superteil in vorderster Reihe, was ich vermutlich nicht noch extra erwähnen müsste. Ich schaltete kurz auf den technisch-hilflos-Modus um und so befreite er das Ding dann auch noch von Schloss, Gitterverschlag und zeigte mir die etwa siebentausend verschiedenen Möglichkeiten, das Ding einzustellen. Ausklappbare Beinstützen, Sonnendach, Neigestufen undsoweiter. Ich richtete mich in der kleinen aber feinen Strandkorbwelt ein, blickte aufs Meer, seufzte zufrieden, las in meinem Buch und genoss es.
Ich genoss es mehrere Minuten. Bis sich in meinem linken Blickfeld etwas bewegte. Ich blickte nach links. Eine riesige Ameise krabbelte auf der Seite hoch. Riesig, ehrlich. Ich setzte mich betont langsam und lässig auf und schnippte die Ameise mit dem Buch in den Sand. Die goutierte das gar nicht und blies auf Angriff. Mit Vollgas krabbelte sie wieder auf den Strandkorb zu. Fassungslos beobachtete ich sie und schaufelte mit dem Fuss Sandfontänen Richtung Ameise. Unbeirrt setzte sie ihren Weg fort und ich meinte, neben dem Meeresrauschen auch noch Fanfarenstösse zu hören. Ich redete mir zu und sagte mir, dass das nur eine Ameise ist, vermutlich die einzige Ameise weit und breit und ich mich Himmelnochmal einfach entspannen sollte. Soll das Ding doch auf meinem Korb (oder war es ihrer?) rumkrabbeln, mir doch egal. Etwa zur gleichen Zeit bewegte sich in meinem rechten Blickfeld etwas. Ich blickte nach rechts. Eine zweite, riesige Ameise. Ich riss eine Grimasse und setzte mich auf. Langsam und total unauffällig inspizierte ich den Strandkorb. Ich stellte rund 5 Ameisen fest, wobei eine ziemlich zerquetscht in einer Ritze steckte. Oh. Die Kampfameise krabbelte mittlerweile direkt zur zerquetschten Ameise zurück und bekrabbelte sie von allen Seiten. Das rührte mich irgendwie und ich witterte eine dramatische Geschichte hinter der ganzen Sache. „Ohhhh sorry“, sagte ich zur Kampfameise „war ich das? Das tut mir leid“, was die Kampfameise aber nicht weiter kümmerte.
Meine zwei-Körbe-entfernt-Nachbarn guckten mich mit seltsamem Blick an. OK. Ich stellte mir vor, wie das gewirkt haben musste. Sehr bleiche Frau mit pinker Windjacke nötigt den Strandkorvermieter, ihr den Strandkorb einsatzfähig einzurichten. Danach legt sie sich zum Meer aber nicht zur Sonne hin (wie jeder normale Mensch hier) in den Strandkorb. Minuten später juckt sie auf und fuchtelt mit einem Buch rum, schnippelt mit den Füssen Sand ins Nichts und dann, dann spricht sie auch noch mit dem Strandkorb….
Da lag ich nun. Wehrlos, total ausgeliefert aber irgendwie doch ganz ruhig. Es blieb mir nichts anderes übrig. Über mir schwammen riesige Viecher und ganz weit oben sah ich die Meeresoberfläche. Ich blickte mich langsam im Halbdunkel um – oben links schwamm ein riesiger Blauwal. Daneben tummelte sich ein Buckelwalweibchen mit seinem Jungen. Der Schwertwal nebenan sah zu, wie der Pottwal mit einem Riesenkalmar kämpfte. Und das alles in unmittelbarer Nähe. Ich schloss die Augen und als ich sie nach einer Weile wieder öffnete stellte ich fest, dass ich wirklich nicht träumte. Die riesigen Tiere schwammen immer noch hoch oben über meinem Kopf und…
„Papaaaaa“ quietschte eine Stimme „Papaaaa, is das n`Delphin?“. „Nein, mein Junge, det is n’Pottwal“. „Und warum schaut n’der so böse?“. „Weil er mit’m anderen Fisch kämpft, meine Junge“. „Papaaaa?“. „Ja?“. „Is das n’Fisch der in den Fischstäbchen drin is?“…
Danke auch. So schnell platzen Luftschlösser. Es war so schön, sich der Illusion hinzugeben. Das Ozeaneum im Stralsund bietet als krönender Abschluss einer spannenden Ausstellung über das Meer und seine Bewohner in einer grossen Halle ein Eintauch-Erlebnis in eine andere Welt. Hoch oben schweben die Riesen der Meere und weit unten sind Liegen aufgestellt. Alles ist in blaudämmriges Licht getaucht, Walgesänge tönen durch den Raum und man hat das Gefühl, sich wirklich unter der Meeresoberfläche zu befinden. Die Halle kann man übrigens auch für Events mieten – das aber nur nebenbei… (Girls, ideal für einen Stakeholderanlass…).
Das Museum selber bietet spannende Einblicke in die Welt der Meere, speziell natürlich der Ostsee. So habe ich zum Beispiel erfahren, dass der Wasseraustausch zwischen Nord- und Ostsee aufgrund der Topografie erschwert ist. Daher, und weil viele Flüsse in die Ostsee münden, ist sie nicht ganz so salzig, wie andere Meere. Brackwasser nennt man das. Darum gibt es in Teilen der Ostsee auch Fische, die sonst nur in Süssgewässern vorkommen. Ich habe erfahren, welche Tiere am und im Meer leben (oh mein Gott), warum welche Tierarten bedroht sind, wie sich die Landschaft gebildet und entwickelt hat und auch, warum der Anglerfisch in unglaublicher Tiefe vor sich hin wartet, um mit seinen Antenen vorbeischwimmende Viecher zu erspüren und zu fressen. Harr. Harr.
Die Umgebung ist übrigens auch ganz nett…
…ist der Himmel über Rügen. Damit verbunden intensiver Sonnenschein. Damit verbunden die Lust an der Sonne zu sitzen. Daraus resultierend schlussendlich intensives Strand-Sonne-Meeresluft-sitzen mit kühlem Getränk, Buch und guter Laune. Lasset uns teilen:

Da fragt mich doch ein lieber Berliner Freund ernsthaft, warum ich mich am äussersten Zipfel von Deutschland aufhalte – so weit weg von der Schweiz. Schätzchen, ganz einfach…
Weil es hier so schön ist. Weil es ein langgehegter Traum war. Weil mir alles südlich vom Gotthard zu südlich ist. Weil die Natur so stark und frisch ist hier. Weil ich die Sprache verstehe. Weil es hier historisch so interessant ist. Weil die Rettungsschwimmer so aufmerksam sind. Weil ich Leute kenne, die hier von der Gegend geflüchtet sind und ich herausfinden wollte, warum. Weil das Hotel eine supercoole Apple-Ausstattung hat. Weil ich das Meer aber nicht die südliche Hitze liebe. Weil ich unbedingt eine Ausrede brauchte, um neue, fesche Wind-und-Wetter-Kleider zu kaufen. Weil ich Ostdeutsch lernen will. Weil ich einen neuen Blog eröffnen wollte und einen Grund brauchte. Weil ich hier keinen Bikini tragen muss und trotzdem am Strand sein kann. Weil ich für die Entscheidungsfindung blind in das Reiseführerregal gegriffen und den Rügen-Reiseführer herausgezogen habe. Weil die hier soviel Fisch haben. Weil ich die Aschewolke herausfordern wollte (Hinflug: Gewonnen). Weil ich den Tourismus in dieser Region unterstützen wollte. Weil ich grad mal nix anderes zu tun hatte. Weil auf Arte ein schöner Bericht über die Küsten Deutschlands ausgestrahlt wurde. Weil ich eine Bernstein-Kette kaufen wollte. Weil ich herausfinden wollte, ob es an der Ostsee auch Ebbe und Flut gibt. Weil ich hoffte, dass es hier Spreewaldgurken gibt. Weil ich im Sommer ganz oben nach Schweden gehe und mal schauen wollte, wie es sich auf der Hälfte der Strecke anfühlt.
Siehst du – es gibt so viele Gründe wie Sandkörner am herrlichen Sandstrand…
Nee Leute, des ist kein Mann – sehr wohl aber etwas, was ‘den Mann’ aufgrund seiner Gene irgendwie zu begeistern vermag. Eine echte alte Dampflokomotive. Mit Zug dran. Und vielen Touristen drin. Also auch mit mir.
Die Hinfahrt (Binz-Göhren): Eingequetscht zwischen lärmenden Kindern, rüstigen Rentnern und streitenden Ehepaaren durfte ich eine stündige Fahrt im wackeligen Zug geniessen. Der Genuss daran war die Landschaft und irgendwie auch der Zug an sich – aber nicht unbedingt die Mitfahrenden. Obwohl – der Streit hinter mir war echt spannend (Immer bist du so schlecht gelaunt, du wolltest das doch auch, jetzt guck mal raus wie schön das ist…. und als Antwort… bin ich doch gar nicht, ich komm ja nur wegen dir mit, ich guck hin wo ich will…). Das lautstarke „mein-Haus-mein-Auto-mein-Pool“-Gespräch zweier Rentner (Ach weisst du, ich hab ja echt viel Geld verdient, ich kann mich nicht beklagen… ) liess mich eine kurze Drehung nach links vollziehen, nach welcher ich beim Anblick zweier ledriger Solariumhengste mit grauem Haar und Goldrandbrille lieber wieder in die schöne Landschaft schaute und mich auf das gleichmässige Rattern und Ruckeln des Zuges konzentrierte. Kinder jeglichen Alters rannten hin und her und quietschten dabei in allen Tönen – dass sie mich dabei mehrmals schmerzhaft rammten, nahmen sie gar nicht wahr. Die Eltern lächelten angestrengt und guckten raus.
Der Aufenthalt (Göhren): Gerührt und geschüttelt stieg ich an der Endstation aus. Da sich das Wetter etwas ungastlich entwickelte, beschränkte ich mich auf einen kurzen Aufenthalt am bei schönem Wetter sicherlich wunderschönen Strand. Früh machte ich mich zurück auf den Weg zum Bahnhof und inspizierte den Zug und die echt coole Lok in aller Ruhe. Aaahhhh – ein Speisewagen. Vielleicht ist es da ruhiger – immerhin kostet das noch Extra.
Die Rückfahrt (Göhren-Binz): Meine Annahme war denn auch richtig und im Speisewagen hielten sich bei der Rückfahrt nur wenige Leute auf. Die waren dafür schön laut und poltrig – aber als Hintergrundkulisse und ohne angerammt zu werden war das ganz OK. Ich gönnte mir Kaffee und Kuchen und genoss ein weiteres Mal aber wesentlich entspannter die schöne Landschaft…
Mit dem Wetter ist das hier so eine Sache. Im einen Moment denkt man, die Welt geht unter. Wolken ziehen auf, es wird dunkel und kühl. Und im anderen Moment brechen die Wolken auf, blaue Himmelsfetzen werden sichtbar und die Sonne scheint einem ins Gesicht. Im einen Moment sucht man nach dem Schirm, im anderen schält man sich aus den Kleiderschichten. Im einem Moment versorgt man die Sonnenbrille, im anderen sucht man sie hastig wieder raus. Im einen Moment fegt einem ein fieser Wind durch alle Poren und im anderen umschmeichelt einem ein laues, angenehmes Lüftchen. Mir macht das Spass. Wie gesagt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung…
Verdient hab ich sie, die Ferien – da waren sich alle einig. Bleib nicht zu Hause, unternimm was – auch da waren sich alle einig. Das ich dann tatsächlich 10 Tage Urlaub in der Ferne gebucht habe, stiess ebenfalls auf Zustimmung. Recht haste! Die Geister fingen sich eigentlich erst bei der Wahl der Destination an zu scheiden. Rügen an der Ostsee.
Bei meinen im Binnenland Schweiz und sogar auch bei im Norden aufgewachsenen Freunden löste meine Wahl fast durchgehend Begeisterung aus. Pure, teils beneidende aber immer von Herzen kommende Begeisterung. Bei einem in der gröberen Umgebung aufgewachsenen Freundespaar (also quasi Eingeborene) – die irgendwann vor Jahren mit der Ausrede „Auswandern wegen dem Job“ unverständlicher weise aus dem hohen Norden geflüchtet sind und mittlerweile in Wien wohnen – löste meine Wahl aber nur besorgtes Kopfschütteln aus.
Was, um diese Jahreszeit – bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Da ist es kalt und garstig und im Mai regnet es die ganze Zeit. Da kann man nur im Juli/August hinreisen. Achherrje, diese Schweizer, keine Ahnung vom hohen Norden! Undsoweiter. Die flüchtigen Eingeborenen legten sich echt ins Zeug. Sogar ein ansonsten loyaler männlicher Schweizermensch liess sich, nachdem er bei diesen Eingeborenen zu Besuch war und vermutlich mit alkoholischen Getränken abgefüllt wurde, kurzzeitig zu einem „Bist du sicher, es soll um diese Jahreszeit echt nicht so toll sein“ hinreissen. Verräter…
Ich trotzte den warnenden Hinweisen der flüchtigen Nordlichter, nährte mich an der Begeisterung der Binnenfreunde und reiste warm eingepackt und hoch erhobenen Hauptes aus der regnerisch kühlen Schweiz ab. Es sei noch erläutert: Für einen Schweizer gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wir haben Berge und da kann es kühl sein. Und regnen. Und stürmen. Wir halten uns aber trotzdem zu jeder Jahreszeit mit Begeisterung in den Bergen auf. Sprich, so ein Bisschen kühles Wetter im Norden macht uns Schweizern nix aus. Gar nix. Nullkommanix. Das stecken wir locker weg und blicken durch die Regentropfen hindurch auf das Meer und sind glücklich.
Nun gut. In Hamburg landete das Flugzeug bei lauen Frühjahrstemperaturen und blauem Himmel. Mit dem Zug ging es weiter bis nach Rügen. Der Himmel zeigte sich freundlich bewölkt und aus den in Richtung Wien ziehenden Wolken bildete sich das Wort „ätsch“. In Rügen angekommen musste ich mich erst mal ein paar Kleiderschichten entledigen. Von wegen Saukälte und Regen. Frühjahrswärme, ein paar Wolkenfelder und Sonnenschein. Glücksgefühle durchfluteten mich, als ich dann endlich im Hotelzimmer stand und aufs Meer blickte (siehe Foto). Begeisterung breitete sich in mir aus. Wir Schweizer haben kein Meer. Wir haben Seen. Und Flüsse. Und Tümpel. Und Swimmingpools. Aber kein Meer. Darum finden wir das Meer auch so toll. So ein Meer ist einfach der Hammer. Diese Kraft, dieser Geruch – und dieser Sand! Sand zwischen den Zehen ist des Schweizers Himmel auf Erden. Oder so. Na dann – los geht’s!